ART STORIES

Sebastian Copeland

Sebastian Copeland - ein Mann der extremen Erfahrungen. Seit 20 Jahren bereist, fotografiert und filmt er die Polargebiete.

Sebastian Copeland – ein Mann der extremen Erfahrungen. Seit 20 Jahren bereist, fotografiert und filmt er die Polargebiete. Nach seiner Karriere als Werbefotograf, in der er Porträts von Schauspielern wie Salma Hayek oder Sandra Bullock anfertigte, wurde er zu dem Abenteurer, der er von Kindesbeinen an sein wollte. Seine Leidenschaft für das unseren Planeten brachte ihm mehrere internationale Auszeichnungen ein.

S_Copeland_3203
Sebastian Copeland

„Ich war fasziniert von Jack London, The Call of the Wild. Er war ein großer amerikanischer Schriftsteller, der meine Begeisterung für die Arktis weckte, und im Unterschied zu anderen, welche Feuerwehrmann oder Pilot werden wollen, träumte ich davon, Polarforscher zu werden.

Du bist also deinem Kindheitstraum gefolgt?
Genau. Ich dachte aber, ich müsste sehr wohlhabend sein, weil es so teuer ist, dorthin zu reisen. Ich werde es wahrscheinlich in meinen 50ern machen. Erst als ich mir über den Klimawandel Gedanken machte, wurde mir klar, dass ich meinem Kindheitstraum einen tieferen Sinn geben könnte. Ich war immer an Umweltfragen interessiert. Wenn du ein Naturliebhaber bist, wirst du sie automatisch beschützen wollen. Ich sage oft: Diejenigen, die das Land durchschreiten, werden am Ende zu Kriegern für dessen Verteidigung.
Bei den Reisen in die Polarwelten ging es nun nicht mehr nur um die Erfüllung eines persönlichen Traums, sondern auch um eine Lebensmission. Jetzt konnte ich die drei Dinge zusammenbringen, die mir wichtig sind: Abenteuer, Fotografie und Umweltengagement.

Wie hast du deinen Traum in die Realität umgesetzt?
Ich war schon immer extrem sportlich. Als ich mich in den 90er Jahren mit dem Klimawandel auseinandersetzte, ergab sich die Gelegenheit, auf eine Arktisexpedition zu gehen. Meine Fotografie ermöglichte mir, mit einer visuell starken Botschaft zurückzukommen. Die Fotografie war der Türöffner. Ein Bild wirkt durch seine Emotion. Dadurch erreicht man Menschen in einer Weise, die intellektuelle Argumente nie erreichen.

Deshalb bin ich hier: Um diese Schönheit in einmaligen Bildern einzufangen, als Grundlage für ein wachsendes Bewusstsein.

Du hast dich also auf Ausflüge in die Polarwelt spezialisiert?
Ja, ich habe große Reisen in alle drei Arktisgebieten unternommen. 2005 überredete ich die Schauspieler Salma Hayek und Jake Gyllenhaal, im Namen von Green Cross mit mir in die kanadische Arktis zu reisen. Unser Ziel war es, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, wie das schmelzende Eis das Leben der Inuit bedroht. Wir haben eine enorme mediale Wirkung erzielt. Aus der Antarktisexpedition 2006 entstand mein Bildband Antarctica, für den Mikhail Gorbatschow und Leonardo Di Caprio das Vorwort schrieben. Mit meinem Cousin Orlando Bloom bin ich 2007 in die Antarktis zurückgekehrt, und es ist uns gelungen, wieder ein großes Medienecho für das Schmelzen des Eises zu erzielen.

Ich habe mit meinem Partner Eric eine transkontinentale Durchquerung Grönlands von 2300 Kilometern gemacht, als Übungsexpedition für die Antarktis, bei welcher wir dann 4100 Kilometer mit Skiern und Drachen zurücklegten.

Du musst ja extrem trainiert sein…
Ich trainiere regelmässig. Dennoch scheitert manchmal eine Mission wie die 2017 zum Nordpol. Reinhold Messner, den ich sehr bewundere, sagte einmal: Der Everest ist schwierig. Aber der Nordpol ist 10 mal schwieriger. Er ht recht. Im Jahr 2009 war ich erfolgreich. 2017 bin ich gescheitert. 2020 versuche ich es noch einmal, da ich glaube, dass ich wahrscheinlich der letzte Mensch sein werde, der diese Strecke zu Fuss zum Nordpol zurücklegen kann. Danach wird das Eis weg sein.

Mit welchen Schwierigkeiten ist man bei solchen Expeditionen konfrontiert?
Die Arktis ist im Grunde genommen nur ein Ozean mit einer stellenweise nur 2m dicken Eisschicht darüber. Das Eis ist ständig in Bewegung. Meistens hat man eine Strömung, die das Eis von Russland nach Grönland treibt. Wenn man von Kanada aus losmarschiert, geht man genau in entgegengesetzter Richtung. Man geht auf Eis, das sich rückwärts bewegt.
Wenn man schläft, bewegt man sich rückwärts! Es ist immer ein Wettlauf gegen die Naturkräfte. Und das Eis bewegt sich nicht gleichmäßig. Durch Strömungen, Wind und Gezeiten beginnt es zu brechen, bildet Kanäle oder bis zu 3m hohe Hindernisse. Einen 200 Kilogramm schweren Schlitten da rüberzuhieven, wird zum Kraftakt!
Du reist allein?
Allein ist es zu gefährlich. Meine Erfolgswahrscheinlichkeit läge bei 10%, die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns bei 90%. Da ich seit einigen Jahren glücklicher Vater von zwei kleinen Mädchen bin – was in Wahrheit meine aufregendste Expedition war – reduziere ich das Risiko aufs Minimum!
Z.B. gibt es Situationen, wo man mit einem Trockanzug durch eisige Wasserkanäle schwimmen und auf der anderen Seite hohe Wände hochklettern muss. Manchmal gehst du auf sehr dünnem Eis, das sich unter deinem Gewicht biegt. Ich bin einmal bei -35 Grad Celsius durchgebrochen und war dankbar, einen Partner zu haben, der mich rauszog und mir half, trockene Kleidung anzuziehen. Das andere Problem sind die Eisbären. Normalerweise jagen sie Robben, die an Eislöchern zum Atmen auftauchen. Aber weil das Meereis zu stark in Bewegung ist, finden die Bären kein Futter mehr und werden für Menschen gefährlich.

Du hast Bücher geschrieben und Filme produziert, mit einer Mission…..
Ich habe zu viel gesehen und fühle mich nicht nur meiner Familie, sondern auch meinen Mitmenschen gegenüber verantwortlich. Es wäre nicht richtig, meine Möglichkeiten nicht zu nutzen, um etwas zu bewirken. Ich bin zwar (noch) nicht politisch aktiv, aber meine Bilder sind ein klares Statement.
Ich halte auf der ganzen Welt Vorträge, mache Expeditionen, gebe Interviews. Im Moment habe ich eine Ausstellung in Paris im Jardin de Luxembourg mit 80 großen Bildtafeln. In vier Monaten werden geschätzte vier Millionen Besucher kommen. Gleichzeitig stelle ich Arbeiten aus in einem Museum in Bangkok und Galerien in Paris, Berlin (CameraWork) und Luzern (Bernheimer Fine Arts). Ich sprach vor den Vereinten Nationen und für viele der grössten Unternehmen wie BMW, HP oder Apple.

…und welches Fazit ziehst Du daraus?
Wir wissen, dass das Klima aus dem Gleichgewicht ist, unabhängig davon, ob man jetzt die Meinung vertritt, dass der Mensch dafür verantwortlich ist oder nicht. Wir wissen, dass Hoffen und Beten das Problem nicht lösen wird. Die Menschen spüren die Bedrohung tief in ihrer Seele. Und so leben wir in einem Klima der Angst auf der einen Seite. Auf der anderen Seite hätten wir eigentlich die technologischen Lösungen in der Hand. Die Frage ist, ob wir den politischen Willen aufbringen und ob der kollektive Wunsch stark genug ist, um die Nachfrage in eine Richtung zu lenken, welche die Industrie zum Umdenken und Handeln bewegt.

Ich weiß nicht, ob es uns gelingen wird. Ich bin ein Optimist. Aber ich bin auch Realist, der die Dinge systemisch und wissenschaftlich betrachtet. Ich bin kein Idealist, wenn es um Fakten geht. Ich glaube nicht, dass ich genug getan habe und ich glaube nicht, dass wir gemeinsam genug getan haben. Wenn ich einige Gespräche mit CEOs großer Unternehmen betrachte, bin ich nicht so optimistisch. Die Gewinne der Aktionäre sind nach wie vor wichtiger als die Natur. Veränderungen sind in unserem täglichen Leben wirklich schwer umzusetzen.
Wir leben in einer Welt, die zunehmend von Angst getrieben wird. Menschen, die ums tägliche Überleben kämpfen, was wiederum eng mit Arbeit verbunden ist. Und diese wird nach und nach durch Maschinen und künstliche Intelligenz ersetzt. Angst ist die perfekte Saat für die aktuell stattfindende Zersetzung unserer demokratischen Grundordnung.

Tatsache ist, dass unser ökologischer Fußabdruck vor 30 Jahren ein Bruchteil des heutigen war. Bald wird dieser Planet mehr als 11 Milliarden Einwohner haben, die gleichermassen nach Wohlstand, Nahrung und Mobilität streben. Es ist einfache Mathematik. Selbst wenn wir den Klimawandel bekämpfen können, gehen uns die Ressourcen aus. Ich vergleiche es oft mit einer Party, bei der du 10 Leute eingeladen hast. Stattdessen kommen 200. Sie kämpfen letztlich um Stühle oder die letzte Flasche Wein. Es endet im Chaos. Verzweifelte Menschen ohne Perspektive tun verzweifelte Dinge. Werfen Sie einen Blick auf Syrien. Die meisten Menschen wissen nicht, dass der Ursprung des Konflikts in sechs Jahren Dürre liegt, die 80% der Rinder und 60% der landwirtschaftlichen Nutzfläche vernichtete.
Ich denke, der Einfluss der Umwelt ist viel größer als wir denken und er wird noch zunehmen. Wir unterschätzen die Folgen. Es ist nicht einfach, das Gesamtbild zu erfassen, dass Treibhausgase das globale Klima beeinflussen und dies die Kreisläufe des Wassers, der Landwirtschaft, der Meeresströmungen und die Biodiversität beeinflusst.

Je weniger Eis es auf der Erde gibt, desto schneller erwärmt sich der Planet. Schmelzwasser aus den Polen könnte den Golfstrom unterbrechen. Wenn der Permafrost schmilzt, werden riesige Mengen an Methan und Kohlendioxid frei, die aktuell im dauerhaft gefrorenen Boden unter der Tundra gebunden sind. Das würde die Erwärmung des Klimas beschleunigen. Wir sind uns nicht der möglichen Kettenreaktionen bewusst.
Meine Arbeit soll den Menschen veranschaulichen, dass Mensch und Natur, jedes Lebewesen miteinander verbunden sind. Und wenn ein Teil (wie das arktische Eis) stirbt, stirbt letztlich auch die Menschheit.
Der Planet Erde wird, so wie er die Dinosaurier überlebt hat, mit oder ohne Menschen weiterleben. Da habe ich keine Sorge. Noch haben wir eine Chance! Und ich glaube fest daran, dass die meisten Menschen es vorziehen, die Schönheit der Natur zu bewahren, als nur ihre Ressourcen zu nutzen. Deshalb bin ich hier: Um diese Schönheit in einmaligen Bildern einzufangen, als Grundlage für ein wachsendes Bewusstsein.

www.sebastiancopelandadventures.com       

www.scopelandfineart.com

1 Kommentar zu “Sebastian Copeland

  1. Pingback: Sebastian Copeland — ART OF SNOW – THE ART OF STORYTELLING

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: